Der Moment, wo du aufhörst dich zu erklären (und warum das alles verändert)

Es gibt diesen Punkt, den viele Frauen kennen. Wo du merkst, dass kein Gespräch, keine Argumentation und keine noch so gute Begründung etwas daran ändert, was andere über deinen Weg denken. Ich war dort. Mehrfach.


Irgendwann saß ich da und hab gemerkt, dass das, was ich mir vorgestellt hatte, und das, was das Leben gerade von mir abverlangte, einfach nicht zusammengepasst hat. Nicht weil ich zu viel wollte. Sondern weil das System schlicht nicht für Frauen gebaut ist, die alleine durchkommen müssen. Die keine Absicherung im Rücken haben. Die jeden Tag jonglieren und trotzdem irgendwie funktionieren sollen.

Und dann kamen die Stimmen. Das kannst du doch nicht machen. Alleine? Wie willst du das stemmen? Und die Rente? Und die Sicherheit? Ich habe diese Stimmen gehört. Laut. Täglich. Von Menschen, die es gut meinten. Und von Menschen, die es nicht so gut meinten.

Ich hab mich erklärt, argumentiert, gerechtfertigt. Immer wieder. Bis ich irgendwann zu erschöpft war, um weiterzumachen. Und genau da hat sich etwas verschoben.

Der Moment, wo du aufhörst zu erklären, ist nicht der Moment der Niederlage. Es ist der Moment, wo du anfängst, dir selbst mehr zu glauben als anderen.

Das klingt einfach. Ist es nicht. Weil wir Frauen von klein auf gelernt haben, uns zu erklären. Zu rechtfertigen. Verständnis zu wecken. Zustimmung zu brauchen. Und irgendwann sitzt das so tief, dass wir gar nicht mehr merken, wie viel Energie wir dafür verbrauchen. Jeden. Tag.

Energie, die woanders fehlt. Bei uns selbst. Bei dem, was wir eigentlich wollen. Bei dem, was wirklich zählt.


Lass sie – und fang an, als Frau loszulegen

Ich bin dann irgendwann auf die LET THEM Theorie von Mel Robbins gestoßen. Zwei Worte, die ich erst für zu simpel hielt. Lass sie. Lass sie reden, zweifeln, urteilen.

Was mich daran wirklich getroffen hat, war nicht der Gedanke selbst. Sondern die Erlaubnis, die dahinter steckt. Die Erlaubnis, aufzuhören. Nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern weil du deine Energie brauchst. Für dich. Für das, was du aufbaust. Für das Leben, das du eigentlich führen willst.

Wir verbringen so viel Zeit damit, andere umzustimmen. Wir erklären unsere Entscheidungen, rechtfertigen unsere Träume, bitten um Verständnis für einen Weg, den wir längst gehen wollen. Und dabei merken wir nicht, wie viel das kostet. Nicht nur an Zeit. Sondern an Überzeugung. An dem Glauben, dass wir es wirklich können.

Weil jedes Mal, wenn du dich erklärst, gibst du dem Zweifel ein bisschen mehr Raum. Irgendwann merkst du: Je öfter du erklärst, desto unsicherer wirst du selbst. Nicht weil dein Weg falsch ist. Sondern weil du anfängst, ihn durch die Augen anderer zu sehen.

Ich kenne Frauen, die jahrelang auf den richtigen Moment gewartet haben. Auf die Zustimmung der Eltern. Auf das Nicken des Partners. Auf den Moment, wo endlich alle sagen: Ja, mach das. Dieser Moment kommt nicht. Nicht weil diese Menschen einen nicht lieben. Sondern weil sie selbst Angst haben. Vor Veränderung. Vor dem, was es bedeutet, wenn du einfach losgehst, während sie noch stehen.

Lass sie. Nicht weil es egal ist. Sondern weil es dein Leben ist.

Ich hab das Buch mehrfach gelesen. Nicht weil es kompliziert ist, sondern weil man diese Erlaubnis manchmal immer wieder braucht. An schlechten Tagen. An Tagen, wo die Stimmen wieder lauter werden. An Tagen, wo du kurz vergisst, warum du überhaupt losgelaufen bist.

LET THEM
Die LET THEM Theorie
Mel Robbins
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Daran festhalten, dass es besser wird.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen blindem Optimismus und einer bewussten Entscheidung. Der Entscheidung, nicht im Schlechten zu versinken. Nicht weil man naiv ist. Sondern weil man irgendwann merkt: Wenn ich schon weitermache, dann lieber mit dem Blick nach vorne.

Ich glaube, dass viele Frauen das kennen. Dieses Gefühl, wenn alles gleichzeitig zu viel ist. Wenn man sich fragt, wann es leichter wird. Wenn man morgens aufsteht und schon weiß, dass der Tag einen wieder alles abverlangen wird. Und trotzdem aufsteht. Weil die Kinder da sind. Weil die Rechnungen da sind. Weil das Leben einfach weitergeht, egal wie man sich fühlt.

Was mir in dieser Zeit geholfen hat, war nicht die Überzeugung, dass alles gut wird. Es war die Entscheidung, es zumindest nicht schlechter zu reden als es ist. Bewusst hinzuschauen, was trotzdem gerade da ist. Was trotzdem funktioniert. Was trotzdem wächst, auch wenn man es gerade nicht sieht.

Ich habe in dieser Zeit angefangen, mich mehr mit dem Gesetz der Anziehung zu beschäftigen. Nicht als Versprechen. Sondern als Haltung. Als Erinnerung daran, dass das, was für mich richtig ist, seinen Weg finden wird. Wenn ich ihm den Raum lasse. Wenn ich aufhöre, ihn wegzuerklären.

Das bedeutet nicht, dass man die Augen vor der Realität verschließt. Es bedeutet, dass man bewusst entscheidet, wohin man seine Energie lenkt. Und das ist eine Entscheidung, die man jeden Tag neu treffen kann. Auch wenn es schwer ist. Gerade dann.

Wenn es dir gerade nicht gut geht, willst du das vielleicht nicht hören. Das ist okay. Ich hab es selbst oft nicht hören wollen. Aber vielleicht kommt der Moment, wo du es hören kannst. Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem kann ich The Secret von Rhonda Byrne  empfehlen.


Ich weiß nicht, wo du gerade stehst. Vielleicht mittendrin. Vielleicht kurz vor diesem Punkt, wo du nicht mehr erklären willst. Vielleicht hast du ihn schon längst überschritten und weißt es noch nicht.

Was ich dir sagen kann: Der Moment, wo du aufhörst, andere zu überzeugen, ist nicht das Ende. Es ist der Anfang. Von etwas, das wirklich nach dir klingt.

Und das ist mehr wert als jede Zustimmung, die du dir jemals erklärt hast.


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